Ulm - Neu-Ulm
Die baden-württembergische Universitätsstadt Ulm (über 120.000 Einwohner) und die bayrische Hochschulstadt Neu-Ulm (über 50.000 Einwohner) liegen an der Donau, am südöstlichen Rand der Schwäbischen Alb. Nächste größere Städte sind Augsburg und München im Südosten, etwa 70 km beziehungsweise 130 km entfernt, und Stuttgart im Nordwesten, etwa 90 km entfernt.Ulm ist bekannt für sein gotisches Münster, dessen Kirchturm mit 161,53 Metern der höchste der Welt ist. Weiterhin bemerkenswert ist die lange bürgerliche Tradition Ulms mit der ältesten Verfassung einer deutschen Stadt und einem Stadttheater, dessen Anfänge bis ins Jahr 1641 zurückreichen
Die Stadt, erstmals urkundlich genannt am 22. Juli 854, war Königspfalz und Freie Reichsstadt, ab 1802 bayerisch, ist seit 1810 württembergisch und seitdem getrennt von ihrem Gebiet rechts der Donau, das bei Bayern blieb und auf dem sich die Stadt Neu-Ulm entwickelte. Als berühmtester Sohn der Stadt gilt Albert Einstein, der 1879 hier geboren wurde.
Museen und Freiluftgalerien
Das Ulmer Museum ist als Museum für Kunst, Archäologie sowie Stadt- bzw. Kulturgeschichte konzipiert. Neben zahlreichen, teils hochrangigen Ausstellungsstücken, werden auch Informationen zur Stadtgeschichte und bekannten Ulmer Persönlichkeiten, wie zum Beispiel Albert Einstein, präsentiert. Unter den Sammlungen und Ausstellungsstücken des Museums verdienen die archäologische Abteilung mit dem Löwenmenschen, als die älteste Mensch-Tier-Plastik der Welt (datiert auf ca. 30.000 vor Christus), die große kultur- und stadtgeschichtliche Abteilung mit den Kleidung und reichsstädtischen Alltag des ausgehenden 18. Jahrhunderts bis ins Detail beschreibenden Ton-Figuren der Hafnerfamilie Rommel und der aus dem 17. Jahrhundert stammende Kunst- und Naturalkammer des reichen Ulmer Kaufmannes Christoph Weickmann mit einigen der weltweit ältesten erhaltenen afrikanischen Textilien, die umfangreiche Kunstsammlung mit spätmittelalterlichen Werken der sogenannten „Ulmer Schule“ (u. A. Werke von Jörg Syrlin d. J., Hans Multscher, Gregor & Michel Erhart, Bartholomäus Zeitblom und Niklaus Weckmann) und zahlreichen Werken zeitgenössischer Kunst des 20. Jahrhunderts (u. A. von Joseph Boys, Andy Warhol und Roy Liechtenstein), sowie die Design-Ausstellung mit Entwürfen und Werken der international renommierten Ulmer Hochschule für Gestaltung (HfG) besondere Erwähnung.Am 24. November 2007 ist in der Neuen Mitte, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Ulmer Museum und mit diesem über eine gläserne Brücke direkt verbunden, die Kunsthalle Weishaupt eröffnet worden. Sie ist vom Unternehmer Siegfried Weishaupt mit privaten Mitteln realisiert und nach den Plänen des Münchener Architekten Wolfram Wöhr gebaut worden. Die Sammlung umfasst heute etliche Hundert große Arbeiten und zählt zu den bedeutenden Privatsammlungen zeitgenössischer Kunst in Deutschland. Zusammen mit dem Skulpturenweg (Kunstlehrpfad) der Universität (u. a. Werke von Niki de Saint-Phalle) und dem Archiv der international renommierten Ulmer Hochschule für Gestaltung (HfG) erhält Ulm den Rang eines herausragenden Ausstellungsortes für bildende Kunst und Design in Süddeutschland.
Einzigartig in Deutschland werden im Museum der Brotkultur neben Techniken und Geschichte(n) der Brotherstellung auch die überaus vielschichtige Kultur- und Sozialgeschichte des Brotes als grundlegendem Nahrungsmittel und wichtigem kulturellen Symbol dargestellt.
Die KZ-Gedenkstätte Ulm im „Fort Oberer Kuhberg“ erinnert an die Nutzung in dieses Teils der Bundesfestung als durch das NS-Regime als Konzentrationslager. Im Fort Oberer Kuhberg wurden vom November 1933 bis Juli 1935 unter unmenschlichen Bedingungen über 600 politische und weltanschauliche Gegner aus dem Land Württemberg-Hohenzollern eingekerkert. Unter ihnen befand sich auch Kurt Schumacher, der Wiederbegründer der SPD in Deutschland nach 1945. Das ehemalige KZ ist heute Gedenkstätte. Sie wurde 1994 vom Regierungspräsidium Tübingen als „vorbildliches Heimatmuseum“ ausgezeichnet. Das KZ Oberer Kuhberg ist als einziges KZ in Süddeutschland in seiner gesamten baulichen Substanz erhalten. Dazu gehören die unterirdischen Verliese, in denen die Häftlinge untergebracht waren, das Freigelände mit der Haftzelle von Kurt Schumacher und die Räume der KZ-Kommandantur.
Das Festungsmuseum Fort Oberer Kuhberg wurde 1974 vom „Förderkreis Bundesfestung Ulm e. V.“ gegründet. Ziel dieses Vereines ist die Restaurierung, die Dokumentation und die Präsentation der erhaltenen Bauwerke. Noch vor der Vereinsgründung im Jahr 1974 begannen im Fort Oberer Kuhberg (Teil der Bundesfestung Ulm) die ersten Erhaltungsarbeiten. In der Zwischenzeit ist es das am besten erhaltene Fort und kann bei Führungen besichtigt werden. Die Aktivitäten des Vereins haben sich in den letzten Jahren auf andere Festungswerke ausgeweitet, welche ebenso im Rahmen von Führungen der Öffentlichkeit präsentiert werden.
Im Donauschwäbischen Zentralmuseum (dzm), welches in einem Teil der Festungsanlage Obere Donaubastion (Teil der Bundesfestung Ulm) untergebracht ist, werden Geschichte, Kultur und Schicksal der sog. „Donauschwaben“, deutschstämmigen, meist „schwäbischen“ Auswanderern, die im 18. Jhdt. nach Südosteuropa auswanderten und nach dem Zweiten Weltkrieg als „Heimatvertriebene“ zurückkehrten, in wechselnden Ausstellungen dargestellt. Das dzm ist eine gemeinsam von der Stadt Ulm, dem Land Baden-Württemberg, dem Bund sowie der EU finanzierte Einrichtung von europäischer Bedeutung.
Die Naturkundlichen Sammlungen der Stadt Ulm werden auch als lebendiges Museum bezeichnet. Die Themen Mineralogie, Geologie, Paläontologie, Botanik, Zoologie und Ökologie können dabei nicht nur kognitiv, sondern auch sinnlich erfahren werden. Durch diese Konzeption ist das Museum insbesondere für Familien mit Kindern und Menschen mit geistiger oder körperlicher Behinderung besonders geeignet. Das Museum verfügt über zahlreiche Informationstafeln in Blindenschrift.
Das Setra-Museum im Ulmer Fischerviertel (Fischergasse 3) zeigt die Geschichte der Marke Setra (Omnibusse mit selbstragender Karosserie, entwickelt Mitte des letzten Jahrhunderts vom damaligen Ulmer Unternehmen Karl Kässbohrer GmbH). Außerdem gibt es eine Ausstellung von Omnibusmodellen.
Theater
In Ulm gibt es mehrere Theater, die unabhängig voneinander arbeiten. Das Städtische Theater, mit 840 Sitzplätzen größtes Theater Ulms, wurde 1641 gegründet und ist somit das älteste städtische Theater Deutschlands.Das „Theater Ulm“ am Herbert-von-Karajan-Platz 1 ist, ungewöhnlich für die Größe der Stadt, ein Dreispartenhaus (Musiktheater, Schauspiel und Ballett). Dem Theater angegliedert ist das Philharmonische Orchester der Stadt Ulm, das sowohl im Theater als auch an anderen Konzertplätzen sinfonische Konzerte gibt.
Ein weiteres Theater, das Theater in der Westentasche, ist akut gefährdet, weil die Stadt Ulm ihre Zuschüsse erheblich verringern musste. Die „Weste“ ist ein auch vom Land Baden-Württemberg gefördertes Privattheater (Mitglied im Deutschen Bühnenverein) in deren maximal 80 Zuschauern Platz bietenden Spielstätte, einem früheren Ladenlokal in der innerstädtischen Herrenkellergasse, freie Akteure überwiegend Sprechtheater aufführen. Derzeit wird zusätzlich ein Ensemble professioneller, aus Osteuropa stammender und jetzt in der Region ansässiger Künstler gebildet.
Im zur Akademie für darstellende Kunst (s. u.) gehörenden Akademietheater am Kuhberg stellen angehende Regisseure und Darsteller ihre Bühnenkünste dar, wobei auch auf andere Spielstätten wie das Roxy ausgewichen wird.
Das Theater Ulüm ist das einzige professionelle türkischsprachige Theater in Süddeutschland. Auch dieses bietet einen regelmäßigen Spielplan und besitzt eine feste Spielstätte (Donaubastion Schillerstraße).
Das Erste Ulmer Kasperletheater wurde 2001 als professionelles Kindertheater gegründet. Es hat rund 50 Zuschauerplätze und bietet wöchentlich fünf Aufführungen.

